Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Achtung Autofahrer!

Samstag, 13 Juni 2009 | Alter: 10 Jahre
Autor: MMag. Christoph Rümmele, Rechtsanwalt in Dornbirn

Der grundsätzlich gut gemeinte Verzicht auf den eigenen Vorrang im Straßenverkehr kann durchaus fatale Folgen haben.


So hat der Oberste Gerichtshof (OGH) jüngst eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen.

Sachverhalt: Ein PKW-Lenker musste sein Fahrzeug verkehrsbedingt anhalten. Als sich der vor ihm stehende Sattelzug wieder in Bewegung setzte, entstand vor dem PKW eine größere Lücke. Der PKW-Lenker sah von rechts kommend zwei ca. zehnjährige Mädchen, welche offensichtlich die Fahrbahn (mit Rollerskates bzw. Fahrrad) überqueren wollten. Er blieb stehen und deutete den Kindern mit der Hand, dass sie die Fahrbahn überqueren können. Diese setzten sich daraufhin in Bewegung, wobei eines der Mädchen in der Folge von einem auf der Gegenfahrbahn herannahenden PKW erfasst und schwer verletzt wurde...

Verschulden: Der OGH gelangte zur Auffassung, dass den PKW-Lenker, welcher im stehenden Fahrzeug den Kindern das Überqueren ermöglicht hatte, ein Verschulden von 50% trifft. Denn: Ein Fahrzeuglenker hat sich, wenn Kinder eine Fahrbahn überqueren, so zu verhalten, als ob sie einen Schutzweg benüzten („unsichtbarer Schutzweg“). Das heißt, er wäre zur größtmöglichen Sorgfalt verpflichtet gewesen und hätte bedenken müssen, dass die Mädchen durch seinen an sich gut gemeinten Wink mit der Hand darauf vertrauen, dass sie die gesamte Fahrbahn gefahrlos überqueren können. Die erforderlich gewesene zusätzliche Kontaktaufnahme mit den Kindern bzw. deren Warnung vor einer allfälligen Gefahr durch den Gegenverkehr war im konkreten Fall jedoch nicht erfolgt.

Fazit: Rücksicht im Straßenverkehr ist gut, Vorsicht (im eigenen Interesse) aber noch besser!


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