Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Aufsichtspflicht für Kinder

Montag, 09 Juli 2018 | Alter: 74 Tage
Autor: Dr. Anita Einsle, Rechtsanwältin in Bregenz

In welchem Ausmaß Eltern oder andere Aufsichtspflichtige zur Beaufsichtigung von Kindern verpflichtet sind, ist nach den besonderen Umständen des Einzelfalls zu beurteilen. Dem Alter des Kindes kommt dabei eine wesentliche Rolle zu wobei eine Haftung nur dann besteht, wenn die Aufsichtspflicht schuldhaft verletzt wurde.

 

Alter

Das Gesetz beschränkt die Haftung eines Aufsichtspflichtigen nicht nur auf unter 14-jährige Kinder. Bei Kindern zwischen 14 und 18 Jahren bestehen aber nur noch geringe Aufsichtspflichten.

Maßstab

Es wird im Einzelfall auf den Maßstab „verständiger Eltern“ abgestellt. Das Ausmaß der erforderlichen Aufsicht richtet sich nach dem, was angesichts des Alters, der Eigenschaften und der Entwicklung des Kindes von diesem vernünftigerweise erwartet werden kann. Für Kleinkinder bis zu zwei Jahren wird eine Überwachung auf Schritt und Tritt verlangt. Für das Alter danach muss eine Einzelfallbetrachtung erfolgen. Aufsicht und Überwachung sind zu intensivieren, wenn Erziehungserfolge ausbleiben.

Aufsichtspflichtverletzung

So judizierte der Oberste Gerichtshof eine Aufsichtspflichtverletzung bei einem Siebenjährigen, weil ein Fahrrad während eines Zeitraumes, in dem das Kind nicht ständig beaufsichtigt wurde, nicht weggesperrt wurde und es somit vom Wohnhaus entfernt allein auf einer Straße Rad fahren konnte. Eine Aufsichtspflichtverletzung wurde auch beim Alleinlassen eines neunjährigen Kindes während des Teekochens in der Küche gesehen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass jeder Aufsichtspflichtige die Verantwortung für die ihm anvertrauten Kinder trägt. Entscheidend ist, ob die getroffenen Aufsichtsmaßnahmen vernünftigen Anforderungen entsprechen. Ein Restrisiko bleibt bestehen. 

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