Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Besondere Aufklärung bei ängstlichen Patienten?

Dienstag, 22 August 2017 | Alter: 35 Tage
Autor: Dr. Christoph Schneider, Rechtsanwalt in Bludenz

Eine werdende Mutter ließ sich von einem Frauenarzt begleiten und es wurden alle für den Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Ultraschalluntersuchungen sowie zusätzliche Kontrollen vorgenommen. Traurig: bei der Geburt verstarb das Kind, eine Ader war geplatzt. Die Frau klagte ihren Frauenarzt wegen Behandlungsfehlern und Verletzung der Aufklärungspflicht.

Seltenes Risiko

Im Prozess stellte sich heraus, dass das Risiko eines derartigen Vorfalles nur einmal in 125 Berufsjahren eines Arztes vorkommen kann und diese Komplikation nur mit gezielten Untersuchungen entdeckt hätte werden können. Eine solche Untersuchung ist bei einer Mutter-Kind-Pass-Untersuchung jedoch nicht vorgesehen und kamen die Gerichte zum Ergebnis, dass es keine Hinweise auf dieses besondere Risiko gegeben habe.

Aufklärungspflicht

Die Frau zog vor den Obersten Gerichtshof, dieser schloss sich den Unterinstanzen an und meinte, eine Aufklärungspflicht über Behandlungsalternativen sei erforderlich, wenn für den konkreten Behandlungsfall mehrere medizinisch angezeigte und übliche Behandlungsmethoden notwendig sind. Im vorliegenden Fall habe es jedoch keine Risikohinweise gegeben, die nicht gemachte Untersuchung sei daher auch nicht erforderlich gewesen.

Besonders ängstlich

Das Argument der Frau, sie sei besonders ängstlich und besorgt gewesen und hätte daher besser aufgeklärt werden müssen, ließ der Gerichtshof nicht gelten. Er führte aus, gerade dieser Umstand könne dann bei besonders ängstlichen Menschen einen zusätzlichen und psychischen Druck auslösen.

Ein Arzt ist also nicht verpflichtet, einen Patienten in jeder Situation über alle bestehenden Möglichkeiten aufzuklären, wobei eine Abwägung im Einzelfall vorzunehmen ist.

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