Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Das unechte Testamt

Samstag, 08 September 2018 | Alter: 98 Tage
Autor: Dr. AntonTschann, Rechtsanwalt in Bludenuz

 

Ein Verstorbener hatte ein eigenhändiges Testament verfasst, mit dem er eines seiner zwei Kinder zu seinem Alleinerben einsetzte. Dem anderen Kind stand daher nur der Pflichtteil zu. Damit war es keinesfalls einverstanden. Es behauptete, dass das Testament gar nicht vom Erblasser stamme und forderte den gesetzlichen Erbteil.

Nach bisheriger überwiegender Rechtsprechung hatte derjenige, der die Echtheit des Testamente infrage stellte, dies auch zu beweisen.

Beweislast des Testamentserben!

Von diesem Grundsatz ist der Oberste Gerichtshof (OGH) kürzlich in einem geradezu sensationellen Erkenntnis abgewichen. Jetzt hat derjenige, der sich auf seine Erbeinsetzung im eigenhändigen Testament des Erblassers beruft, dessen Echtheit nachzuweisen. Er muss also beweisen, dass der Erblasser das Testament eigenhändig geschrieben und unterschrieben hat, wenn dessen Echtheit bestritten wird. Dieser Beweis kann im Erbrechtsprozess zB durch ein Schriftgutachten erbracht werden. Gelingt der Beweis nicht, tritt die gesetzliche Erbfolge ein, was für einen testamentarisch eingesetzten Erben sehr nachteilig sein kann.

Mit dieser Entscheidung des OGH wurde sohin die Position von Erben, die ihren Erbanspruch auf ein vom Erblasser eigenhändig verfasstes Testament stützen wollen, deutlich geschwächt.

Lösungsvorschlag

Es gibt durchaus Möglichkeiten, zu verhindern, dass der testamentarische Erbe in eine derart desaströse Beweissituation kommt. Ein probates Mittel ist zB die Erstellung eines „3-Zeugen-Testamentes“ bei einem Rechtsanwalt oder Notar, bei dem der Erblasser das Testament vor drei Zeugen unter Berücksichtigung bestimmter Formerfordernisse unterschreibt.

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