Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Der Cousinen- oder Enkeltrick - Haftung?

Mittwoch, 05 Dezember 2018 | Alter: 7 Tage
Autor: Dr. Christoph Schneider, Rechtsanwalt in Bludenz

Eine Frau erhielt einen Anruf. Ihre Cousine in England brauche dringend € 2500 für den Ankauf eines Hauses. Auf die ungewöhnliche Stimme angesprochen meinte die Anruferin, sie sei verkühlt. Es handele sich um ein Schnäppchen, die Überweisung müsse noch an diesem Tage abgewickelt werden.

Die Betroffene wendete sich an ihre Bank und veranlasste mit deren Hilfe einen Geldtransfer nach England.

Warnhinweis missachtet

Auf dem Kundenbeleg der Bank war folgender Hinweis abgedruckt.: „Schützen Sie sich vor Verbraucherbetrug, geben Sie acht, wenn ein Fremder Sie bittet, Geld zu senden. Teilen Sie niemals Dritten Transaktionsdetails mit.“

Als die angebliche Cousine wiederum anrief, gab die Frau ihr die Transaktionsdetails bekannt. Das Geld wurde unter Vorlage eines Ausweises beim englischen Vertriebspartner ausbezahlt. Der Mitarbeiter erfasste zwar die Daten des Ausweises, kopierte diesen aber nicht. Es konnten daher keine weiteren Feststellungen gemacht werden.

Transfergeschäft „gescheitert“

Als die Frau erkannte, dass sie betrogen worden war, verlangte sie vom Zahlungsdienstleister das Geld zurück. Der Zahlungsdienstleister wendete ein, die Frau sei selbst schuld, sie habe Transaktionsdaten grob fahrlässig weitergegeben.

Der OGH nahm schlussendlich beide Parteien in die Pflicht, beide hätten bei einem Geldtransfer Sorgfaltspflichten verletzt. Bevor man Transferdaten weitergebe, müsse man sich überzeugen, dass es sich tatsächlich beim Empfänger um die richtige Person handelt.

Die Betrogene erhielt daher nur einen Teilbetrrag von der Bank zurück.

 

 

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