Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Der Ehestörer und die Detektivkosten

Samstag, 29 Mai 2010 | Alter: 9 Jahre
Autor: Dr. Clemens Pichler, Rechtsanwalt in Dornbirn

Eine Scheidung ist für alle Beteiligten zumeist eine unerfreuliche Angelegenheit. Dass ein Scheidungsverfahren auch für einen ehebrecherischen Dritten und sogar für einen bloßen „Ehestörer“ ein zumindest finanzielles Nachspiel haben kann, stellt der Oberste Gerichthof in einigen jüngeren Entscheidungen klar.

Detektivkosten bei Scheidung

Überwachungskosten und Kosten für die Einschaltung eines Detektivbüros, die notwendig waren, um ein ehewidriges Verhalten eines Ehepartners im Prozess nachweisen zu können, sind vom „Ehebrecher“ seinem Ehepartner im Scheidungsverfahren zu ersetzen.

Haftung von Dritten

Auch der Liebhaber mit dem der Ehepartner „in flagranti“ erwischt wurde, haftet grundsätzlich für diese Kosten. Die Detektivkosten können von diesem in einem gesonderten Prozess geltend gemacht werden. Sogar die Kosten für eine unzulässige (verdeckte) Videoüberwachung sind dabei ersatzfähig.

Kostenersatz auch bei bloßer „Störung“

Aber auch wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass eine ehewidrige Beziehung vorliegt, besteht ein Anspruch auf Ersatz dieser Kosten gegen den Dritten, wenn die Beziehung des Ehepartners zu diesem Dritten zumindest „ehestörend“ war.

Dazu reicht es etwa aus, dass rein freundschaftliche Beziehungen zu einem früheren Liebhaber aufrechterhalten werden, obwohl vereinbart war, dass alle Kontakte zu diesem abgebrochen werden. Das Gericht verpflichtete in einem solchen Fall unlängst, im Gegensatz zu einigen älteren Entscheidungen, den „Ehestörer“ zum Ersatz der entstandenen Detektivkosten.


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