Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Diagnose "unauffällig"

Montag, 12 Juni 2017 | Alter: 104 Tage
Autor: Dr. Christoph Schneider, Rechtsanwaltskammer

Eine Patientin absolvierte ihre jährlichen Vorsorgeuntersuchungen, bei welcher auch Krebsabstriche gemacht wurden. Die Frau klagte auch immer wieder über Kontaktblutungen. Die Gynäkologin übermittelte die von ihr gemachten Abstriche an einen Pathologen, wies aber nie auf die von der Patientin erwähnten Blutungen hin.

Operation

Die Befunde des Pathologen enthielten den Vermerk „unauffällig“, weshalb die Patientin sich in Sicherheit wiegte. Jahre später wurden die Blutungen stärker und nun wurde der Abstrich als ungünstig beurteilt. Intensivere Kontrollmaßnahmen ergaben die Diagnose fortgeschrittener Gebärmutterhalskrebs. Eine schwere Operation mit körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen war die Folge.

Früherkennung wäre möglich gewesen

Schon einige Jahre zuvor wiesen die Abstriche auf eine beginnende Krebserkrankung hin. Wäre gleich eingegriffen worden, hätte das Entstehen des Krebses durch geringfügige Eingriffe verhindert werden können.

Klage

Die Patientin klagte die Ärztin. Die beiden ersten Instanzen wiesen die Klage ab und meinten, für die unrichtige Begutachtung hafte nur der Pathologe. Der Oberste Gerichtshof sprach jedoch schließlich ein Schmerzensgeld zu, für das die Ärztin aufzukommen hatte. Der Pathologe hatte die Frauenärztin zwar nicht informiert, dass die Qualität der Abstriche überwiegend mangelhaft war, die Ärztin hat beim Pathologen diesbezüglich jedoch nie nachgefragt.

          Nur dann, wenn die Patientin direkt mit dem Pathologen in vertraglicher Beziehung gewesen wäre, wäre die Ärztin nicht (allein) zum Schadenersatz auch für die Fehler des Pathologen verpflichtet gewesen. Für die Leidtragende wird diese Erkenntnis jedoch kein Trost sein.

 

 

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