Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Die Thujen des Nachbarn

Donnerstag, 11 August 2016 | Alter: 1 Jahre
Autor: Dr. Ingo Breuß, Vorarlberger Rechtsanwaltskammer

Grundsätzlich kann jeder Eigentümer die in seinen Grund eindringenden Wurzeln eines fremden Baumes oder einer anderen fremden Pflanze aus seinem Boden entfernen und die über seinen Luftraum hängenden Äste abschneiden oder sonst benützen. Dabei hat er jedoch fachgerecht vorzugehen und die Pflanzen möglichst zu schonen.

Abwägung der Interessen

Die Selbsthilfe ist zwar nicht ausgeschlossen, wenn sich trotz schonender und fachgerechter Vorgehensweise die Verletzung oder sogar das Absterben der Pflanzen nicht vermeiden lässt. Zur Frage des Schadenersatzes ist jedoch eine Abwägung der Interessen die des Eigentümers an der Unversehrtheit der Pflanze(n) und jenen des Selbsthilfeberechtigten an der Entfernung des Überhangs relevant.

Selbsthilfe

Es gibt bereits umfangreiche Judikatur zur Frage des Schnitts bei Thujenhecken und hat der Oberste Gerichtshof diese jüngst mit einer weiteren Entscheidung ergänzt. Nach dieser kann der Eigentümer eines Grundstückes, der sich durch einen Überhang gestört fühlt, den Zeitpunkt seines Selbsthilferechtes grundsätzlich selbst wählen; dieses erlischt also nicht, wenn er längere Zeit keinen Gebrauch davon macht. Er darf jedoch dadurch keine Gefahrenlage schaffen (zB durch einen radikalen Schnitt Eingriff in die Statik eines Baumes) oder darf der Schnitt bis zur Grundgrenze nicht rechtsmissbräuchlich geschehen. Auch andere, schwerwiegende Gründe könnten zum Verlust des Rückschnittrechts führen.  

Fazit: Alles nicht so einfach. Sollte also jemand vorhaben, demnächst mit seiner Motorsäge auszurücken, bitte vorher das Gespräch suchen! Vielleicht lässt sich das Problem bei einem Bierchen mit dem Nachbarn lösen, wenn nicht, lassen Sie sich fachmännisch(frauisch) beraten. 

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