Die Vorarlberger Rechtsanwälte

„Essen auf eigene Gefahr“

Samstag, 24 Juli 2010 | Alter: 8 Jahre
Autor: Dr. Ingo Breuß, Vorarlberger Rechtsanwaltskammer

Den Buffetjunkies unter uns könnte eine aktuelle Entscheidung wahrlich den Appetit verderben. Was ist passiert?

Sturz beim Frühstücksbuffet: Eine Frau wollte in ihrer Kuranstalt rechtzeitig frühstücken, um danach gleich ihre Therapie antreten zu können. Die Zeit drängte. Im Kampf um das begehrte Essen kam es dann zum Unglück: Fuß zwischen „Mitstreiterin“ – Stolpern - Sturz – Verletzung – Klage.

Klage abgewiesen: Das Unfallopfer wollte nicht nur Schmerzensgeld, sondern auch andere im kausalen Zusammenhang stehende Kosten (Pflege, Heilbehelfe, Fahrtkosten etc.). Das Verfahren ging dann bis zum Obersten Gerichtshof, welcher die Revision zurückwies. Die Richter waren der Auffassung, dass es sich um ein bloßes Unglück gehandelt habe. Ähnlich wie bei einer sportlichen oder spielerischen Betätigung müsse man auch bei einem Buffet, wenn Gedränge herrscht, mit einer Sturzgefahr rechnen. Damit sei eine entsprechende Aufmerksamkeit erforderlich, was man beim Unfallopfer vermisst habe.

Ähnlich wie beim „Parallelsport“: Was sich zunächst skurril anhört, gibt bei genauerem Studium der gegenständlichen Entscheidung doch eine gewisse Logik, nämlich: Bei Sport und Spiel gelten andere Regeln und man muss grundsätzlich mit Verletzungen rechnen. Dem Anstellen bei einem Buffet sei zwar kein sportlichspielerischer, aber zumindest doch sozialer Wert beizumessen. Das Handeln auf eigene Gefahr finde daher auch auf vorliegenden Fall Anwendung, da kein atypischer „Regelverstoß“ vorlag.

Fazit: Möchten Sie auf einen Buffet-Kampfanzug verzichten? Suchen Sie sich ein Hotel, ein kleines, feines, denn bei Gedränge und Schmerz beim Buffet gibt es Geld – keines.


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