Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Genügt zum Erben eine Testamentskopie?

Samstag, 09 April 2011 | Alter: 8 Jahre
Autor: Dr. Anton Tschann, Rechtsanwalt in Bludenz

Die jahrzehntelange Lebensgemeinschaft von Gerda O. mit Josef N. wurde durch dessen überraschendes Ableben jäh beendet. Jahre zuvor hatte Josef N. ein Testament errichtet, mit dem er Gerda O. zu seiner Alleinerbin einsetzte. Zum Ent-setzen von Gerda O. war das Original-Testament nach dem Tod ihres Lebensgefährten nicht mehr auffindbar. Sie verfügte nur über eine Testamentskopie.

Es kam zum Prozess: Das Gericht ging davon aus, dass es vormals ein Original der vorliegenden Testaments-Kopie gab. Dies allein genügte aber noch nicht, um Gerda O. die erhoffte Erbenstellung zu verschaffen.

Gültigkeit des letzten Willens, auch wenn Testament verloren ging! Es muss aber derjenige, der auf Grund des Testamentes erben will, nachweisen, dass das Testament nur zufällig verloren ging, also vom Verfasser nicht absichtlich beseitigt wurde. Gleichzeitig hat er den Inhalt des nicht mehr vorhandenen Original-Testamentes zu beweisen. Letzteres gelang der Lebensgefährtin. Sie konnte aber das Gericht nicht davon überzeugen, dass ihr Lebensgefährte das Original-Testament seinerzeit lediglich verloren, also nicht absichtlich beseitigt hatte. Es kam daher zur gesetzlichen Erbfolge der Angehörigen des Josef N.

Widerruf eines Testamentes: Mit der Vernichtung des Testamentes gilt dieses als widerrufen. Sicherer ist es, wenn man schriftlich alle früheren letztwilligen Verfügungen widerruft bzw. ein neues Testament erstellt, in das dieser Widerruf aufgenommen wird.

Das Testament sollte vom Anwalt verwahrt und von diesem beim Testamentsregister der österreichischen Rechtsanwälte registriert werden.

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