Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Gutgläubiger Erwerb im Rahmen einer Erbschaft

Samstag, 25 Februar 2012 | Alter: 7 Jahre
Autor: Dr. Michael Battlogg, Rechtsanwalt in Schruns

Es wurde bereits erörtert, dass der berechtigte Erbe vom nicht berechtigten Erben mit Erbschaftsklage vorgehen kann. In der Praxis kommt es jedoch - siehe „Testamentsaffäre“ -  auch vor, dass gutgläubige Dritte von einem nicht berechtigten Erben den ganzen bzw. Teile eines Nachlasses erwerben. Wie ist nun die Rechtsstellung dieses Erwerbers?

 

Einantwortungsurkunde: Eine öffentliche Urkunde, die zunächst den Erben gegenüber Dritten als berechtigten Eigentümer ausweist. Wenn nun der Erwerber nicht weiß, dass der in der Einantwortungsurkunde aufscheinende Erbe nicht der berechtigte Erbe ist, kann er gutgläubig Nachlassgegenstände erwerben.

Gutgläubigkeit: Bedeutet, dass der Erwerber keinerlei Anhaltspunkte hat, dass es sich beim eingeantworteten Erben nicht um den Berechtigten handelt. Beim Erwerb von Liegenschaften muss diese auch noch im Zeitpunkt der Überreichung des Grundbuchsantrages vorhanden sein.

Zweifel: Sofern der Erwerber aus irgendwelchen Gründen Zweifel an der Berechtigung des Erben hat, kann in weiterer Folge das Vermögen vom tatsächlich berechtigten Erben herausverlangt werden bzw. können Ansprüche geltend gemacht werden.

Schenkung: Ein gutgläubiger Erwerber kann das Vermögen jedoch behalten, wenn der Erwerb unentgeltlich durch eine Schenkung erfolgt ist. Hier unterscheidet sich die Rechtsstellung des Erwerbers von anderen Formen des gutgläubigen Eigentumserwerbes.

Ansonsten ist der gutgläubige Eigentumserwerb, wenn er nicht von einem eingeantworteten Erben erfolgt, nur dann geschützt, wenn der Erwerb entgeltlich erfolgt. Darüber hinaus muss der Erwerb in einer Versteigerung, von einem befugten Gewerbsmann oder einem Vertrauensmann des berechtigten Eigentümers erfolgen. 

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