Die Vorarlberger Rechtsanwälte

KFZ-Wrackbörsen der Versicherungen

Montag, 05 August 2013 | Alter: 5 Jahre
Autor: Dr. Lieselotte Mucciolo-Madler, Rechtsanwältin in Bregenz

Es ist meist unbekannt, dass Haftpflichtversicherer einen Zugang zu eigenen KFZ-Wrackbörsen haben, in denen oft ein wesentlich höherer Preis erzielt werden kann als durch lokale KFZ-Händler oder Werkstätten.

Schadensminderungspflicht:

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat nun in einer aktuellen Entscheidung klargestellt, dass der Geschädigte seine Schadensminderungspflicht gegenüber der gegnerischen Versicherung nicht verletzt, wenn er sein Unfallwrack am lokalen Markt zu einem geringeren Preis verkauft und er keine Kenntnis von einer derartigen Wrackbörse hatte.  

Geringerer Preis:

Im konkreten Fall wollte die gegnerische Haftpflichtversicherung der Geschädigten den in der Wrackbörse erzielbaren fiktiven Mehrerlös vorenthalten, weil sie das Unfallauto zu dem geringeren Preis an einen lokalen KFZ-Händler verkauft hat. Der Versicherer warf ihr vor, sie habe es unterlassen, ihn von der Verkaufsabsicht zu verständigen.

Höherer Ersatzbetrag:

Nach Auffassung des OGH hat die Geschädigte ihre Schadensminderungspflicht jedoch nicht verletzt und musste ihr der Versicherer den höheren Ersatzbetrag leisten. Entscheidungserheblich war, dass der Versicherer die Geschädigte nicht auf die bessere Verwertungsmöglichkeit über die Wrackbörse hingewiesen hat bzw. ihr kein besseres Angebot unterbreitet hat und auch nicht schon im Vorhinein verlangt hat, dass er über eine Verkaufsabsicht informiert werden möchte. Die Geschädigte war nicht gehalten von sich aus Marktforschungen über den Bestpreis anzustellen.

Die vom OGH vertretenen Grundsätze entsprechen im Übrigen der einschlägigen Rechtsprechung des deutschen Bundesgerichtshofes.

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