Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Kinder am Sportplatz: Wer haftet?

Montag, 14 November 2016 | Alter: 1 Jahre
Autor: Dr. Henrik Gunz, Rechtsanwalt in Dornbirn

Auf einer Spiel- bzw. Fußballwiese rannten die Volksschüler dem „runden Leder“ nach. Dann passierte es. Eine Flanke eines 10-Jährigen fand leider nicht den gewollten Weg. Sie landete nämlich mitten im Gesicht der Mutter einer Schulkameradin. Dabei wurde die Mutter im Gesicht verletzt.

Schadenersatzklage

Daraufhin brachte die verletzte Frau eine Schadenersatzklage über mehrere tausende Euros  ein. Die Unterinstanzen wiesen die Klage auf Schmerzengeld, pauschale Unkosten und auf Feststellung der Haftung des mj. Beklagten für sämtliche zukünftigen Schäden ab. Das Berufungsgericht begründete dies ua damit, dass der Bub den Ball nicht gezielt auf die Frau geschossen hätte, sondern der Ball ungewollt in ihre Richtung „abgerissen“ sei. Derartiges komme auch unter „Profifußballern“ vor und sei daher nicht vorwerfbar.

Haftung von Minderjährigen bei Versicherungsschutz

Schlussendlich beschäftigte der „verfehlte Schuss“ sogar den Obersten Gerichtshof (OGH). Nicht zuletzt deshalb, weil auch unmündige Kinder unter bestimmten Umständen haften können, etwa, wenn in der Familie eine Privathaftpflichtversicherung (etwa in der Haushaltsversicherung) vorliegt.

Mangelnde Rechtswidrigkeit

Eine solche Billigkeitshaftung setze aber Rechtswidrigkeit voraus, betont der OGH in seiner aktuellen Entscheidung. Auf der Spielwiese sei das Fußballspielen jedoch erlaubt gewesen. Im „abgerissenen“ Schuss sah der OGH keinen Sorgfaltsverstoß des Buben, der ja seinem Mitspieler zuspielen wollte. Angesichts dieser Aussagen des OGH ist davon auszugehen, dass verletzende „Fehlschüsse“ auf dem Sportplatz gerade auch von zuschauenden Eltern ohne große Chance auf Schadenersatz in Kauf genommen werden müssen. 

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