Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Kindesentführung

Montag, 13 Februar 2017 | Alter: 280 Tage
Autor: Dr. Anita Einsle, Rechtsanwältin in Bregenz

Im Folgenden soll die Verbringung eines Kindes aus dem Staat seines bisherigen gewöhnlichen Aufenthaltes über die Staatsgrenze hinweg in einen anderen Staat besprochen werden.

Haager Übereinkommen: Zahlreiche Staaten haben zur Regelung solcher Fälle das Haager Kindesentführungsübereinkommen abgeschlossen. Es gilt für Kinder, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.  

Verletzung des Sorgerechts: Antragsberechtigt sind insbesondere Mitobsorgeberechtigte. Darunter sind Fälle zu verstehen, in denen es der betreuende Elternteil mit dem anderen Elternteil nicht mehr aushält und deshalb mit dem Kind in sein Heimatland zurück kehrt oder dieses nach einem Urlaubsaufenthalt nicht mehr verlassen will. Das gemeinsame Sorgerecht, das zB bei aufrechter Ehe besteht, stellt dabei kein Hindernis für ein Einschreiten der Gerichte dar. Bei aufrechter Ehe ist ein Elternteil daher nicht berechtigt, ohne Zustimmung des anderen Elternteils über den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen.     

Verletzung eines tatsächlich ausgeübten Mitobsorgerechts: Einen Antrag stellen kann nur jener Elternteil, bei dem das Kind wohnt. Ein klassisches Wochenend- bzw Ferienkontaktrecht genügt nicht. Es muss dieses Maß überschreiten.

Schnellverfahren: Wird ein Kind aus Österreich entführt, kann der Antrag bei jedem Bezirksgericht gestellt werden. Hierfür stehen im Internet abrufbare Formulare zur Verfügung. Aufgrund der oft notwendigen Übersetzungen und Vielzahl der einschreitenden Behörden dauert das Verfahren leider nicht so kurz, wie man sich wünschen würde.

 

Im Falle einer Kindesentführung ist die rasche Kontaktaufnahme mit einer juristisch kundigen Person zweckdienlich, damit nicht unnötig Zeit verstreicht.

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