Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Lärm in einer Wohnungseigentumsanlage

Dienstag, 04 September 2012 | Alter: 6 Jahre
Autor: Mag. Dominik Heimbach, Rechtsanwalt in Bregenz

In einer Wohnungseigentumsanlage kommt es immer wieder zu Lärmbeeinträchtigungen, die durch einzelne Wohnungseigentümer verursacht werden. Es stellt sich die Frage, ob und in welchem Ausmaß dies von anderen Wohnungseigentümern hinzunehmen ist.

Interessensausgleich: Die Rechtsprechung geht davon aus, dass das Zusammenleben in einer Wohnungseigentumsanlage eine gegenseitige Rücksichtnahme erfordert. Lärmimmissionen, die durch eine verkehrsübliche und der Widmung des Wohnungseigentumsobjekts entsprechende Nutzung entstehen, sind daher selbst dann zu dulden, wenn die Nutzung anderer Wohnungseigentumsobjekte dadurch beeinträchtigt wird.

Mangelnder Schallschutz: In einer jüngst ergangenen Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof (OGH) nun aber ausgesprochen, dass Lärmimmissionen auch im Fall einer verkehrsüblichen und bestimmungsgemäßen Nutzung einer Wohnung nicht hinzunehmen sind, wenn der störende Wohnungseigentümer selbst jene Umstände geschaffen hat, durch die die Lärmimmission eine störende Beeinträchtigung verursacht. Im vorliegenden Fall hatte der störende Wohnungseigentümer für keinen ausreichenden Trittschallschutz gesorgt.

Unterlassungsanspruch: Solange der störende Wohnungs-eigentümer für keinen ausreichenden Trittschallschutz sorgt, ist er zu einer besonderen Rücksichtnahme verpflichtet. Die übrigen Wohnungseigentümer dürfen keinen größeren Lärmimmissionen als bei ordnungsgemäßer Isolierung und verkehrsüblicher Nutzung der Wohnung ausgesetzt sein. Andernfalls könnten diese einen Unterlassungsanspruch gegenüber dem störenden Wohnungseigentümer geltend machen.

Auch damit nimmt der OGH eine Interessensabwägung vor, die die vertragsgemäße Nutzung der übrigen Wohnungen gewährleisten soll.

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