Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Mündliches Testament im Spital zulässig?

Samstag, 04 Juni 2016 | Alter: 1 Jahre
Autor: Dr. Andrea Höfle-Stenech, LL.M., Rechtsanwältin in Feldkirch

Die Einhaltung der Formvorschriften bei der Errichtung von Testamenten ist oft entscheidend für ihre Gültigkeit. Seit 2005 darf man ein mündliches Testament nur mehr in einer Notlage errichten, wenn „die Gefahr droht, dass der Erblasser stirbt oder die Fähigkeit zu testieren verliert“.

Davor war das mündliche Testament unter Beiziehung dreier Zeugen ohne Ausnahmesituationen erlaubt.

Zeugen erforderlich
Für ein reguläres, von fremder Hand verfasstes Testament benötigt man drei Zeugen. Für ein mündliches Testament nur zwei.

Der Oberste Gerichtshof betont in einem aktuellen Fall den Ausnahmecharakter eines mündlichen Testaments.

Widerstreitende Testamente
Die Frau eines Arztes, welcher zwar geistig hell wach, jedoch bettlägrig und nicht mehr imstande war, ganze Sätze zu  schreiben, organisierte in Unkenntnis der geänderten Rechtslage zwei Zeugen, vor denen der Mann im Spital mündlich testierte. Mit diesem „Nottestament“ sollten sein Neffe und seine Nichte alles erben.

Gemäß einem älteren, schriftlichen Testament sollten allerdings die Geschwister alles erben. Der Bruder klagte daraufhin, weil das neue, mündliche Testament nicht gültig sei.

Zumutbarkeit
Im Gegensatz zum Oberlandesgericht Wien, welches das Nottestament für wirksam zustande gekommen betrachtete, entschied der OGH, dass es dem Mann, der sich nicht in einer akuten Lebensgefahr befunden hatte, zumutbar gewesen wäre, im Spital ein Testament von jemand anderem schreiben zu lassen.

               Wenn es dem Testator allerdings nicht zumutbar gewesen wäre,  drei Zeugen zu finden, die nicht im letzten Willen begünstigt werden oder mit einem Nutznießer verwandt sind, ist das mündliche Testament gültig. 

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