Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Scheidung: wer ist schuld?

Samstag, 22 März 2014 | Alter: 5 Jahre
Autor: Dr. Reinhard Pitschmann, Rechtsanwalt in Feldkirch

Üblicherweise ist, insbesondere bei gemeinsamen Kindern, eine einvernehmliche Scheidung zu bevorzugen. Umstände, die einen erheblichen Einfluss auf die Unterhaltsfrage haben, können jedoch ein Einvernehmen verhindern.

Verschulden: In einem aktuellen Fall hat der Oberste Gerichtshof in einer strittigen Scheidung festgestellt, dass der Ausspruch, wonach die Schuld des einen Ehegatten überwiege, nur dann zulässig sei, wenn dessen Verschulden erheblich schwerer sei, als das des anderen. Dabei komme es nicht allein auf die Schwere der Eheverfehlung an (hier Ehebruch der Frau), sondern auch darauf, in welchem Umfang die Verfehlung (auf der anderen Seite die Trunksucht des Ehegatten)  zu der schließlich eingetretenen Zerrüttung der Ehe beigetragen habe.

Gesamtbetrachtung: Es kommt also immer auf das Gesamtverhalten der Ehegatten während der Dauer der Ehe an. Laut OGH sind die beiderseitigen Eheverfehlungen einander in ihrer Gesamtheit gegenüberzustellen, wobei es nicht nur auf den Grad der Verwerflichkeit der einzelnen Ehewidrigkeiten ankomme, sondern auch darauf, wie weit sie einander bedingten oder welchen ursächlichen Anteil sie am Scheitern der Ehe hatten.

„Auf den Hund gekommen“: In einem anderen Fall ist der Ehegatte wegen eines Hundes mit der Ehegattin in Streit geraten. Daraufhin hat dieser die Ehewohnung verlassen und hatte die Ehegattin den Mann mit den Worten „Reisende soll man nicht aufhalten“ verabschiedet.

Das Verhalten der Ehegattin ist aufgrund der Gesamtbetrachtung und Verhältnismäßigkeit gegenüber der Eheverfehlung des Mannes, nämlich das Verlassen der Ehewohnung, in den Hintergrund getreten.

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