Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Schockschaden durch Nachricht vom Unfall eines Angehörigen

Samstag, 22 September 2012 | Alter: 6 Jahre
Autor: Dr. Karoline Rümmele, Rechtsanwältin in Dornbirn

Die Nachricht über einen Unfall eines Angehörigen kann gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Eine aktuelle Entscheidung des Obersten Gerichtshofes beschäftigt sich mit der Haftung für „Schockschäden“, die bei einem nahen Angehörigen durch die Unfallnachricht ausgelöst worden sind.

Schockschäden: Darunter sind krankheitswertige psychische Beeinträchtigungen im Sinne einer Körperverletzung zu verstehen, die gutachterlich festgestellt sein müssen. Eine Körperverletzung ist die  Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit. Psychische Einwirkungen, die bloß das seelische Wohlbefinden ohne Krankheitswert und Behandlungsbedürftigkeit beeinträchtigen, sind keine Gesundheitsverletzungen (zB Verärgerung, Aufregung).

Haftung: Der OGH kam zum Schluss, dass unter der Voraussetzung, dass das Unfallopfer schwerste Verletzungen erlitten hat, der Unfallverursacher auch für den Schockschaden haftet, den ein naher Angehöriger erleidet.

Schwerste Verletzungen: Von solchen ist auszugehen, wenn im Zeitpunkt der Nachricht akute Lebensgefahr oder die konkrete Gefahr dauernder Pflegebedürftigkeit bestand. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Mitteilung an den Angehörigen. Eine nachträgliche Besserung des Zustandes ist für die Haftung bedeutungslos.

 

Nahe Angehöriger: Eltern, Großeltern, Kinder, Enkel, uU auch Lebensgefährten, Geschwister;

 

Schon bisher wurde daneben auch Trauerschmerzengeld beim Unfalltod naher Angehöriger zuerkannt. Noch nicht gerichtlich entschieden ist, ob Schmerzengeld auch für psychische Beeinträchtigungen ohne Krankheitswert (Trauerschäden) zusteht, wenn der Angehörige nicht verstorben, sondern schwerst verletzt wurde.

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