Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Sportliche Akivitäten während des Krankenstandes

Samstag, 16 April 2011 | Alter: 8 Jahre
Autor: Dr. Helgar Schneider, Rechtsanwalt in Bregenz

In der Praxis stellt sich immer wieder die Frage, wie sich ein Arbeitnehmer während des Krankenstandes zu verhalten hat. Nach ständiger Judikatur der Gerichte darf ein Arbeitnehmer nichts tun, was seiner Genesung abträglich wäre.

Fußballspiel: Herr D. hatte im Rückenbereich Schmerzen und der Arzt schrieb ihn wegen Lendenwirbelsäulenschmerzen für mehrere Wochen krank. Während des Krankenstandes bestritt Herr D. für seinen Club ein Fußballspiel, bei welchem er „unglücklicherweise“ ein Tor erzielte. Sein Chef las dies in der Zeitung und sprach die Entlassung aus.

Diagnosefehler: Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass die Schmerzen des Herrn D. nichts mit der Lendenwirbelsäule zu tun hatten, sondern mit Nierensteinen. Durch die Teilnahme am Fußballspiel wurde gemäß den Feststellungen eines medizinischen Sachverständigen der Heilungsverlauf nicht negativ beeinflusst. Herr D. hat deshalb von seinem früheren Arbeitgeber Schadenersatz wegen ungerechtfertigter Entlassung gefordert.

Entscheidungen der Gerichte: Während das Landesgericht Feldkirch dem Arbeitnehmer noch Recht gegeben hatte, haben das OLG Innsbruck und der OGH die Klage des Arbeitnehmers abgewiesen. Der OGH hat dies im Wesentlichen damit begründet, dass auch ein Arbeitgeber grundsätzlich auf die Richtigkeit einer ärztlichen Diagnose vertrauen dürfe.

Ein Arbeitnehmer, welcher im Wissen, dass eine bestimmte Tätigkeit den Heilungsverlauf gefährden kann, dennoch eine solche Tätigkeit ausübt, und welcher sich um ärztliche Diagnosen wenig schert, ist kaum vertrauenswürdig. Er ist daher grundsätzlich nicht schützenswert, auch wenn sich im Nachhinein zeigt, dass die ärztliche Diagnose unrichtig war.

Vorarlberger Rechtsanwaltskammer | Marktplatz 11 | 6800 Feldkirch | Österreich
T 05522 71122 | F 05522 71122 - 11 | E-Mail | Impressum