Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Sportunfall - keine Haftung im Rahmen typischer Risiken

Samstag, 23 März 2013 | Alter: 6 Jahre
Autor: Dr. Gerhard Scheidbach, Rechtsanwalt in Feldkirch

„Wo gehobelt wird, da fallen Späne“

Dieses Sprichwort gilt im Fußball und in anderen Mannschaftssportarten. Leider kommt es immer wieder auch zu schweren Verletzungen von Sportlern. Kann der Verursacher dann zur Haftung herangezogen werden?

Verletzter Fußballer: Der Oberste Gerichtshof (OGH) hatte sich kürzlich wieder mit dieser Frage zu befassen. Während eines Fußballmeisterschaftsspiels lief der Beklagte mit dem Ball auf das gegnerische Tor zu. Der Kläger lief hinter ihm und hielt ihn am Trikot zurück. Um sich loszureißen, schlug der Beklagte – ohne zuvor zurückzublicken oder zu zielen – mit der geöffneten Handfläche nach hinten. Dabei traf er den im Laufen nach vorn gebeugten Kläger am Kopf und verletzte diesen an den oberen Schneidezähnen.

Keine Haftung: Die Instanzen verneinten eine Haftung und begründeten dies damit, dass Handlungen im Sport, durch die ein anderer Teilnehmer gefährdet oder am Körper verletzt wird, nur dann rechtswidrig sind, wenn sie das in der Natur der betreffenden Sportart gelegene Risiko vergrößern.

Typisches Risiko: Der OGH bestätigte die Entscheidung unter Hinweis auf die ständige Rechtsprechung. Eine Haftung für eine während eines Fußballspiels zugefügte Verletzung scheidet mangels Rechtswidrigkeit aus, wenn sich das – wenn auch regelwidrige – Verhalten des Schädigers im Rahmen der typischen Risiken dieser Sportart bewegt.

Wie weit reichend die Unfallfolgen sein können, zeigt das tragische Beispiel des nach einem fatalen Check querschnittsgelähmten Schweizer Eishockeyprofis Ronny Keller. Ob der Schädiger haftet ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der typischen Risiken der jeweiligen Sportart zu beurteilen.

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