Die Vorarlberger Rechtsanwälte

STOP-Schilder auf Skipisten

Samstag, 02 März 2013 | Alter: 6 Jahre
Autor: Dr. Lieselotte Mucciolo-Madler, Rechtsanwältin in Bregenz

Der Oberste Gerichtshof beschäftigte sich in einer aktuellen Entscheidung mit der Frage, welche Wirksamkeit Warn-, Gefahren-, Sperr- und Hinweiszeichen auf Skipisten zukommt. Konkret ging es um die Kollision zweier Skifahrer im Bereich des „Zusammenflusses“ zweier Pisten zur Talstation, wovon einer ein STOP-Schild missachtete.

Keine Rechtsverbindlichkeit von Hinweistafeln

Nach Auffassung des OGH können die von einem Pistenhalter aufgestellten Vorrangzeichen auf Pistenkreuzungen oder Pisteneinmündungen keine der Straßenverkehrsordnung vergleichbaren bindenden Vorrangregelungen mit der Konsequenz einer Warte- oder Anhaltepflicht schaffen, da die Verhältnisse mit denen im Straßenverkehr auch nicht zu vergleichen sind.

Auffahrunfälle

Derartige, der Straßenverkehrsordnung entnommenen Vorrangzeichen können nicht unbedingt zur Entschärfung neuralgischer Pisteneinmündungen oder Pistenkreuzungen beitragen, sondern mitunter eher zusätzliche Probleme schaffen. So werde als Reaktion auf ein „STOP-Schild“ in einem unübersichtlichen Pistenbereich die Gefahr von „Auffahrunfällen“ vergrößert.

FIS-Regeln:

Das „STOP-Schild“ ist vielmehr eine Markierung und Signalisation im Sinne der FIS-Regel Nr. 8, die von jedem Skifahrer und Snowboarder zu beachten ist. Überdies stelle die von jedem Pistenbenützer zu fordernde Eigenverantwortlichkeit einen wesentlichen Punkt dar, der gegen eine verbindliche Vorrangregelung mit Warte- und Anhaltepflicht durch Vorrangzeichen auf einer Skipiste spricht.

Im konkreten Fall erachtete der OGH eine Schadensteilung von 1:1 als angemessen, da keiner der Beteiligten das primär unfallauslösende Verhalten setzte. Vielmehr fuhren beide Skifahrer unaufmerksam aufeinander zu.

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