Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Toleranz zum Wohle des Kindes

Montag, 21 Dezember 2015 | Alter: 2 Jahre
Autor: Dr. Andrea Höfle-Stenech, LL.M., Rechtsanwältin in Feldkirch

Eine Mutter zog bei vereinbarter gemeinsamer Obsorge trotz Reisepassabnahme mit ihrem 11-jährigen Kind erneut heimlich ins Ausland. Daraufhin wurde das Sorgerecht der Mutter entzogen und künftig allein dem Vater übertragen.

Gutachten

In einem Gutachten hat die Sachverständige festgehalten, dass das Kindeswohl wegen einer Bindungsintoleranz der Mutter gefährdet sei. Das Kind konnte auch nicht mehr der Schulpflicht nachkommen.

Die Mutter reklamierte, dass der Vater seine Obsorgerechte aufgegeben habe, weil er zugestimmt hatte, dass das Kind wegen der massiven psychischen Belastung vorläufig von der Jugendwohlfahrt in einem Krisenzentrum untergebracht wurde.

Verantwortungsbewusstsein

Gerade aber diese Zustimmung wertete der OGH in einem aktuellen Urteil als  „Verantwortungsbewusstsein des Vaters, dem offensichtlich am Kindeswohl gelegen ist“. Die Mutter hingegen habe „nicht einmal davor zurückschreckt, das Kind massiv zu manipulieren, sodass es derzeit jeglichen Kontakt zum Vater, zu dem es bis zur Unterbindung der Kontakte durch die Mutter eine enge und vertrauensvolle Beziehung hatte, vehement ablehnt.“ Die Gerichte sahen bei einer weiteren Mitobsorge der Mutter das Kindeswohl gefährdet. 

Bindungstoleranz

Die sogenannte Bindungstoleranz ist somit ein wichtiges Entscheidungskriterium für Obsorgeregelungen. Darunter versteht man die Fähigkeit und Bereitschaft eines Elternteiles, die Bindungen des Kindes zum anderen Elternteil oder anderen wichtigen Personen zu respektieren und zu fördern.

Die Entscheidung, welchem Elternteil bei Gegenüberstellung der Persönlichkeit, Eigenschaften und Lebensumstände die Obsorge für das Kind übertragen wird, ist jedoch immer eine solche des Einzelfalls. 

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