Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Vererben ist nicht immer einfach

Samstag, 16 Mai 2009 | Alter: 10 Jahre
Autor: Dr. Markus Walla, Rechtsanwalt in Dornbirn

Deutlichkeit ist eine gehörige Verteilung von Licht und Schatten, meinte mal die Oberste aller Dichterinstanzen, J.W. von Goethe. Die Oberste Instanz unserer zivilen Gerichtsgerichtsbarkeit hat da weniger hintergründiges Verständnis, wenn es die (Un)Bestimmtheit von Regelungen in letztwilligen Verfügungen anlangt.

Dies wurde wieder mal bestätigt, als es um eine vom Erblasser eigentlich gewünschte Nacherbschaft ging: also die Verfügung, daß jemand nach dem Tod des sogeannten Vorerben das Vermögen als Nacherbe anschließend erhalten solle.

Auswahl des Nacherben: Ein Vater sah in seinem letzten Willen vor, daß seinem Kind als Vorerben die Auswahl des Nacherben aus dem Kreis der Blutsverwandten überlassen sein sollte. Dies konnte und wollte der OGH jedoch nicht gutheißen. Da der Nacherbe ja schlussendlich der wahre Erbe des Erblassers ist, könne die Auswahl nicht dem Vorerben überlassen werden. Dies sei zu unbestimmt. Da halfen auch allfällige Umdeutungen dieser Testamentsklausel nichts. Die vom Erblasser eigentlich gewollte Nacherbschaft war ungülitg.

Klarheit und Bestimmtheit: Der Verfasser dieser Zeilen zögert nicht, auch gebetsmühlenartig immer wieder darauf hinzuweisen, daß bei Verfassung eines Testaments auf klare und auch gegebenenfalls noch nach Jahren nachvollziehbare und praktibale Regelungen geachtet werden soll. Die Wünsche des potentiellen Erblassers stehen selbstverständlich an erster Stelle. Dabei darf aber weder die konkrete Rechtslage noch der Grundsatz der Praktikabilität unberücksichtigt bleiben. Nur jene letztwilligen Anordnungen, die auch rechtlich und faktisch umsetzbar sind, gewährleisten, daß der „letzte Wille“ des Erblassers sein Ziel tatsächlich erreicht und sich nicht ins Gegenteil verkehrt.

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