Die Vorarlberger Rechtsanwälte

Zur ärztlichen Aufklärungspflicht

Samstag, 21 Januar 2012 | Alter: 7 Jahre
Autor: MMag. Christoph Eberle, Rechtsanwaltsanwärter in Bregenz

Ärzte sind gegenüber ihren Patienten zu umfassender Aufklärung und Dokumentation verpflichtet. Auf Grund der hohen Arbeitsbelastung ist es für den Arzt oft nicht leicht, seiner Aufklärungs- und Dokumentationspflicht in jedem Einzelfall im ausreichenden Maße nachzukommen.

Folgende Grundregeln sind vom Arzt zu beachten:

Individuell und umfassend

Vor jeder Behandlung und vor jedem Eingriff ist ein individuelles und umfassendes Aufklärungsgespräch durch den behandelnden Arzt selbst erforderlich; unter Umständen kann dieses auch durch andere Ärzte erfolgen. Der Inhalt dieses Gespräches muss individuell dokumentiert werden. Eine Aufklärung durch nichtärztliches Personal ist unzulässig. Der Umfang der notwendigen Aufklärung richtet sich dabei jeweils nach dem Einzelfall (Erfahrung des Patienten, Behandlungsalternativen, Risiken, etc.).

Dringlichkeit

Je dringender der Eingriff, desto weniger strenge Maßstäbe sind an die Aufklärungspflicht anzusetzen – in Notfällen kann sie ganz entfallen. Umgekehrt muss umso umfassender aufgeklärt werden, je weniger dringend und notwendig der Eingriff ist (z.B. rein kosmetische Eingriffe).

Verzicht

Ein Patient kann auf die Aufklärung wirksam verzichten. Dieser Verzicht ist genau zu dokumentieren.

Widerruf

Der Patient kann seine Einwilligung jederzeit widerrufen. Er muss dann aber über die möglichen Folgen der Absetzung der Behandlung aufgeklärt werden.

Kommt der Arzt seiner Aufklärungs- oder Dokumentationspflicht nicht im erforderlichen Umfang nach, wird er und der Krankenhausträger gegenüber dem Patienten schadenersatzpflichtig – diese haften unter Umständen selbst dann, wenn der Eingriff lege artis und komplikationslos erfolgt ist.

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