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Verschollene Erblasserkonten

Erstellt von Dr. Anton Tschann, Rechtsanwalt in Bludenz | |   Aktuelles Recht

Es kommt nicht selten vor, dass nach dem Tod eines Erblassers keine Hinweise auf dessen Sparguthaben, Sparbücher, Wertpapierdepots, udgl. aufgefunden werden können, etwa wenn die Unterlagen in einem unbekannten Schließfach verwahrt sind. Das kann zu vorschnellen Verdächtigungen unter den Erben und zu Streit führen.

Die Bank profitiert

Guthaben eines Kunden bei einer Bank fallen nach 30 Jahren der Bank zu, wenn sie nicht zuvor abgerufen werden. Auf österreichischen Geisterkonten schlummern daher vielleicht Millionen, die einem Verstorbenen gehörten. Sie wurden aber weder zu Lebzeiten vom Erblasser selbst, noch von seinen Erben abgerufen.

Keine Einsicht beim Finanzamt

Beim Finanzamt scheint jedes Konto, jedes Sparbuch und jedes Wertpapierdepot auf. Mit einer einfachen Anfrage an das Finanzamt könnten diese Vermögenswerte des Verstorbenen ermittelt werden. Eine solche Anfrage ist aber gesetzlich nicht möglich. Das „Grundrecht des Verstorbenen auf Datenschutz“ steht einer solchen Anfrage entgegen. Ein Missstand, da es höchst unwahrscheinlich ist, dass ein Verstorbener den Willen hatte, seine Ersparnisse vor seinen Erben geheim zu halten. Das Gegenteil, sein Offenlegungswille, entspricht wohl eher der Realität.

Andere Erhebungsmethoden

Es gibt jedoch Möglichkeiten und Erhebungsmethoden, den Verfall des bei der Bank deponierten Erblasservermögens zu verhindern. Ist ein Konto des Erblassers bekannt, kann zB der Erbe oder der Pflichtteilsberechtigte beantragen, dass der Gerichtskommissär bei der Hausbank des Erblassers die rückwirkende Öffnung dieses Kontos erwirkt. Der Kontoumsatzliste können dann oft Hinweise auf andere Konten oder Vermögenswerte des Erblassers entnommen werden.

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